RAFFAEL - Die Heilige Familie mit dem Lamm von 1504
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Katalog C - Graphik

 

Kat. Nr. C 1
Raphael II. Sadeler (1584 Antwerpen - 1632 München)
Heilige Familie mit dem Lamm, 1613

Kupferstich, 202 x 163 mm
Coburg, Kunstsammlungen der Veste Coburg
Inv. Nr. VII, 281, 106.

Abbildung 35
Abbildung 35
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Raffael II. Sadeler, Die Hl. Familie mit dem Lamm,
Kupferstich, Kunstsammlungen der Veste Coburg


Quid sibi vult pastor miti gestatus ab agno?
Hanc metamorphosin quis tibi Naso canit?
An puer est agnus, vel in agno pastor et agnus?
Tartareumve lupum qui cruce vicit, ovat?

HANC EFFIGIEM EX GRATIA SERENISS. PRIN-
CIPIS AC DN. DN. ALBERTI BOIORVM DVCIS
Raph. Sadeler Iunior Sculpsit / Monachii M.D.C.XIII.

Raphael Sadeler d. J., als Sohn Raphael Sadeler d. Ä. vermutlich 1584 in Antwerpen geboren; 1610 im Verzeichnis der Antwerpener Lukasgilde genannt, begleitete seinen Vater mutmaßlich bei seinem Venedigaufenthalt 1601 bis 1604; seit 1604 mit dem Vater in München ansässig, arbeitete er mit diesem gemeinsam an den Illustrationen zum zweiten und dritten Band der Sammlung von Heiligenviten des gelehrten Jesuiten Matthäus Rader, der „Bavaria Sancta“, deren erster Band 1615 in München erschien. Er starb 1632 in München.

Sadelers auf das Jahr 1613 datierter Stich zeigt die Komposition der „Heiligen Familie mit dem Lamm“, ohne einen Hinweis auf die Urheberschaft Raffaels zu geben, und erweitert sie zugleich auf der linken Bildseite um die Gruppe des Johannesknaben mit einem Kaninchen: unter einer schlanken Ulme gelagert, um deren Stamm sich ein üppiger Weinstock rankt, erscheint der Vorläufer Christi, der mit der erhobenen Linken eine der Reben ergreift, als ein Bacchusknabe von barocker Fülle. Das sich fruchtbar vermehrende Kaninchen in seinem Rücken ist ein sinnhaftes Symbol für das ewige Leben. Die hochragende, aber fruchtlose Ulme, um die sich der schwache, aber fruchttragende Weinstock rankt, ist Sinnbild der Verbindung unterschiedlicher Partner zu gegenseitigem Nutzen.
Die dem Sadelerschen Stich hinzugesetzten lateinischen Verse fragen Ovid, den Verfasser der „Metamorphosen“, nach dem Sinn der Verwandlung im Verweis auf die doppelte Eigenschaft Christi als Dulder und Sieger, der durch sein Leiden die Menschheit erlöst, und so den Tod bezwungen hat. (Was will sich der vom Lamm getragene Hirt vom Lamm lammfromm machen lassen? / Was verkündigt dir diese Verwandlung, Naso? / Entweder ist der Knabe das Lamm, oder im Lamm Hirt und Lamm? / Der durch das Kreuz den Tartarus und den Wolf besiegt hat, mag er frohlocken?)
Die Bildunterschrift nennt Raphael Sadeler als Stecher, nicht als Inventor der Komposition, und widmet das Blatt Herzog Albert von Bayern. Die Widmung bezog bereits Meyer zur Capellen (1989, S. 98) im Gegensatz zu Hollstein (XXI, 1980, Nr. 29) zu Recht auf den jüngeren Bruder Herzog Maximilians I. von Bayern, AIbrecht VI. den Leuchtenberger, Herzog in Bayern (1584-1666; Landesadministrator 1651/54) und vermutete zugleich, daß Sadeler hier ein Gemälde im Besitz Albrechts, möglicherweise die im Sinne der „Dürer-Renaissance“ abgewandelte Komposition eines Zeitgenossen wiedergegeben habe. Sadelers detaillierter Stich kann jedoch weder ein Gemälde Raffaels im Besitz des bayerischen Hofes wiedergeben, noch darf er als Nachstich eines zeitgenössischen Gemäldes gelten.
Über die Kunstsammlung und den Kunstgeschmack Herzog Albrechts VI. in Bayern, dessen Wohnsitz ebenso wie die Kunstkammer des regierenden Herzogs Maximilian in der Münchner Residenz während der Besetzung der Residenzstadt durch die Schweden 1632 durch Gustav Adolfs Truppen geplündert wurde, wissen wir so gut wie nichts. In der „Kammergalerie“ Maximilians befanden sich nach Auskunft der Inventare zwei hochgeschätzte Gemälde Raffaels (vgl. Diemer, Kammergalerie, 1980, S. 140, 167 f.), von denen das berühmtere - eine Madonna mit dem auf einem Kissen sitzenden Christuskind - Opfer des Residenzbrandes von 1729 wurde, und das zweite - eine Hl. Familie mit Johannes dem Täufer unter einer Eiche - heute als Kopie nach Raffael gilt. Auf Werke Raffaels in Münchner Sammlungen läßt sich Sadelers Stich von 1613 daher in den Quellen nicht zurückführen. Sadeler hätte es wohl kaum versäumt, ein Gemälde Raffaels in den herzoglichen Sammlungen auch ausdrücklich als solches zu kennzeichnen. Daß ein Mitglied der namhaften Stecherfamilie Sadeler, deren Ruhm nicht nur auf eigenen Inventionen, sondern insbesondere auch auf der einfühlsamen und genauen Wiedergabe zeitgenössischer italienischer, niederländischer, ja sogar altdeutscher Malerei beruhte, nicht ausdrücklich auf eine Komposition Raffaels in der Münchner Sammlung aufmerksam gemacht hat, wo noch Joachim von Sandrart Aegidius Sadelers Stich nach Raffaels „Madonna della Sedia“ in den Uffizien lobte (Sandrart, 1675, S. 240 f.), kann nur bedeuten, daß Raphael II. Sadeler die Komposition der „Hl. Familie mit dem Lamm“ schon vor seiner Münchner Zeit gekannt hat.
Sadelers Wiedergabe der Raffaelschen Komposition ist akribisch und detailgenau. Sein Stich enthält zahlreiche Informationen, die nur in der Lee-Fassung von 1504 überliefert sind, wie etwa das gegenüber anderen Tafeln hohe Bildformat. Die Blumen im Vordergrund sind botanisch genau zu unterscheiden; hier sind sowohl die Fassung in Madrid, wie diejenige in Angers weniger detailreich. Deutlich läßt der Stich auch den Verlauf des Gewässers im Mittelgrund erkennen. In der Anordnung der Bäumchen im Rücken Josephs steht der Stich wiederum der Lee-Fassung näher als der ersten Fassung des Prado-Bildes, wie es die UV-Aufnahmen sichtbar gemacht haben. Doch zeigen sich auch Unterschiede: so ist der Standort des Baumes links außen auf einem grasbewachsenen Hügel am diesseitigen Flußufer in Sadelers Stich besser motiviert als in der Lee-Fassung, wo der Baum auf das jenseitige Ufer versetzt erscheint. Auch hat sich Sadeler um die genaue Wiedergabe der Landschaft im Mittel- und Hintergrund bemüht. Der Stich zeigt die Flucht der Hl. Familie mit dem Esel, den Rundturm des Kastells links im Hintergrund und das hinter Bäumen versteckte Haus mit Satteldach in der Bildmitte. Am rechten Bildrand ist die Lee-Fassung gegenüber dem Stich deutlich knapper. In der Darstellung des Gewandes Mariens, ihres Schleiers, des Fells des Lammes oder des langen, schütteren Haares des Joseph scheint der Stich an Stofflichkeit und Präzision die Lee-Fassung zu übertreffen.
Gegenüber dem Gemälde hat Sadeler jedoch durch die Hinzufügung der Gruppe des Johannesknaben mit dem Kaninchen - deutlich eine Zutat des Stechers, nicht Nachahmung eines zeitgenössischen Gemäldes - das Hochformat in ein breiteres Bildformat umgesetzt. Bemerkenswert ist von daher die Nachfolge, die Sadelers Stich in gemalten Kopien der ersten Hälfte des 17. Jh.s in Süddeutschland gefunden hat. In einer kleinformatigen Gouache übernimmt der im Figürlichen wenig sichere Monogrammist JFB Sadelers Komposition und erweitert diese seinerseits rechts um einen weiten Landschaftsausblick auf ein Querformat (Auktion Lempertz, Köln, 26.5.1989, Kat. 637, Nr. 84: Gouache auf Papier, 12,3 x 18,5 cm; monogr. u. dat. u.r.: JFB 1639) (Abb. 36). Dagegen bemüht sich ein Nachfolger des Hans Rottenhammer (München 1564 - 1626 Augsburg) in seinem kleinformatigen Leinwandbild (Öl/Lwd., 35,5 x 26,5 cm) um die genaue Umsetzung der Sadelerschen Fassung der „Hl. Familie mit dem Lamm“ ins Hochformat, bei der auch Details der Landschaft und die Gruppe der Hl. Familie auf der Flucht akribisch festgehalten sind (Auktion: Fine Old Master Paintings, London, Phillips, Son & Neale, 16. April 1991) (Abb. 37).
Sadelers Stich von 1613 erscheint so als treues Abbild der - durch die Lee-Fassung überlieferten - Komposition der „Hl. Familie mit dem Lamm“ von 1504 (Abb. 35a). Sadeler, der Raffaels frühe Komposition wohl kaum in München studiert haben kann, dürfte das Bild noch in Italien gesehen haben. Vincenzo Vittoria, der in seinem unpublizierten Katalog von 1703 als erster einen Zusammenhang zwischen Sadelers Stich und Raffaels Komposition hergestellt hat, verwies auf ein Gemälde in der Sammlung Falconieri in Rom, auf dem gegenüber dem Stich Sadelers der Johannesknabe fehle. Das Bild in Rom ist jedoch - nach Meyer zur Capellen - über Vittorias Erwähnung hinaus nicht zu dokumentieren. Die Lee-Fassung, auch in ihrem jetzigen Erhaltungszustand, wird durch Sadelers Stich in wichtigen Details ergänzt. Zusammen gesehen belegen sie Raffaels Komposition von 1504. (S. T.)

Abbildung 35a
Abbildung 35a
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Abbildung 37
Abbildung 37
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Raffael, Die Hl. Familie mit
dem Lamm, 1504, Privatbesitz
  Hans Rottenhammer (Umkreis), Die Hl. Familie
mit dem Lamm, nach Raffael II. Sadeler


Abbildung 36
Abbildung 36
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Monogrammist JFB, 1. Hälfte 17. Jh.,
Die Hl. Familie mit dem Lamm, nach Raffael II. Sadeler

 

Lit.: J. von Sandrart, 1675, S. 240 – Tauriscus Euboeus, 1819, S. 166, Nr. 30 – V. Vittoria, 1703, Lib. 5 – Ch. Le Blanc, 1856, Bd. III, S. 403 – Lee of Fareham, 1934, S. 14 (0. Fischel) – L. Dussler, 1966, S. 44, Nr. 73 – L. Dussler, 1971, S. 12 – F. W. Hollstein 1980, Bd. XXII, S. 237, Nr. 29 – Peter Diemer, Materialien zu Entstehung und Ausbau der Kammergalerie Maximilians I. von Bayern, in: Quellen und Studien zur Kunstpolitik der Wittelsbacher vom 16. bis zum 18. Jh., hrsg. von H. Glaser, München 1980, S. 129-174 – Ausst. Kat Paris 1983, Kat. Nr. 18 (J. P. Cuzin) – Ausst. Kat. Rom 1985, Nr. XII, 1 – J. Meyer zur Capellen, 1989, S. 108, Anm. 2



Kat. Nr. C 2
Carlo Gregori (1719 Florenz - 1759 Florenz)
Die Heilige Familie mit dem Lamm

Radierung und Kupferstich, 378 x 277 mm
Coburg, Kunstsammlungen der Veste Coburg
Inv. Nr. XII, 280, 38

Abbildung 38
Abbildung 38
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Carlo Gregori, Die Hl. Familie mit dem Lamm,
Kupferstich, Kunstsammlungen der Veste Coburg


Der Stich entstammt der Publikation
Quadri de’ Gerini di Firenze“, Florenz 1786, Tafel 8:
Quadro di Raffaello Sanzi d° Raffaello da Urbino /
Alto Palmi 2 once 6 Largo Palmi 2 once 2.

Carlo Gregori (Florenz 1719 - 1759) machte sich in Florenz vornehmlich als Porträtstecher einen Namen (Bildnisse der Großherzöge von Toskana) und sorgte als Reproduktionsstecher um die Mitte des 18. Jahrhunderts, auf dem Höhepunkt eines neuerwachenden Interesses für die Geschichte der Kunst und eine kennerschaftliehe Kunstgeschichte, für die Veröffentlichung der bedeutendsten Gemälde der großen italienischen Meister des 16. und 17. Jahrhunderts (Raffael, Tizian, Correggio, Allori, Domenichino u.a.) insbesondere in Florentiner Besitz durch umfangreiche Galeriewerke und Sammlungspublikationen („Museo Fiorentino“, „Galleria di Firenze“, „Gabinetto Gerini“, „Etruria pittrice“, „Museum Capitolinum“).

Der erste Teil der Galeriepublikation „Raccolta di Ottanta Stampe rappresentanti i Quadri piu scelti de’ SSig.ri Marchesi Gerini di Firenze“, muß bereits 1759 erschienen sein. Gregoris Stich nach Raffaels Hl. Familie mit dem Lamm figuriert darin als Tafel 8.
Jean Pierre Cuzin identifiziert aufgrund der mehrfachen handschriftlichen Bezeichnung „Galleria Gerini“ auf der Rückseite der Tafel die Hl. Familie mit dem Lamm in Angers (Kat. Nr. 2) überzeugend mit dem durch den Stich Gregoris überlieferten Exemplar. Meyer zur Capellen (1989, S. 100, Anm. 8) folgt darin Cuzin, sieht zwischen Gemälde und Stich allerdings „erhebliche Unterschiede“.
Die Berühmtheit von Raffaels Komposition im 18. Jahrhundert und den Bekanntheitsgrad der Sammlung Gerini bezeugt eine Zeichnung im Besitze des Kunstkenners, Sammlers und Literaten Pierre Jean Mariette, die in seinem Nachlaßinventar verzeichnet ist. (Catalogue de différens objets de curiosité ... dépendants de la succession de M. Mariette. Vente du 15. Nov. 1775 - 10. Jan. 1776, Paris, Basan et Chariot, 1775).
Der Maler, Zeichner und Stecher Gabriel de Saint-Aubin versah sein eigenes Exemplar des Versteigerungskataloges von 1775 mit Randzeichnungen (Collection W. A. Sargent, Boston, Museum of Fine Arts, Nr. 37 17 13; vgl. Dacier, II, 1931, Kat. Nr. 1042), darunter auch mit einer Skizze nach jener Zeichnung im Besitze Mariettes, welche die Komposition der „Hl. Familie mit dem Lamm“ von Raffael in der Fassung der Sammlung Gerini in Florenz wiedergab (vgl. J. P. Cuzin in: Ausst. Kat. Paris 1983/84, Kat. Nr. 18: „15. nov. 1775, No. 700: Une Sainte-Famille, ou se voit l’enfant Jésus monté sur un mouton, dessiné avec soin à la pierre noire, d’aprés un superbe tableau de ce maitre qui existe à Florence dans la galerie du marquis de Gerini, l’estampe y est jointe.“). Mariette besaß als Kenner und Sammler, worauf der Versteigerungskatalog eigens verweist, demnach auch den Stich von Gregori. (S. T.)

Abbildung 39
Abbildung 39
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Raffael-Atelier, Die Hl. Familie mit dem Lamm,
Musée des Beaux Arts, Angers


Lit.: J. D. Passavant, 1839, Bd. II, S. 91 – Thieme-Becker, Bd. XlV, 1921, S. 577 – Emile Dacier, Gabriel de Saint-Aubin. Peintre, Dessinateur et Graveur (1724-1780), 2 Bde, Paris 1929-1931, Bd. II, 1931: Catalogue raisonné, Kat. Nr. 1042 – Ausst. Kat. Coburg 1983/84, Kat. Nr. 65 (S. Netzer) – Ausst. Kat. Paris 1983/84, Kat. Nr. 18 (J. P. Cuzin) – J. Meyer zur Capellen, 1989, S. 100, Abb. 2



Kat. Nr. C 3
Giovita Garavaglia (1790 Pavia - Florenz 1835)
Die Hl. Familie mit dem Lamm, 1817

Kupferstich, 470 x 347 mm
Pavia, Musei Civici, Var. P. 5369.

Abbildung 40
Abbildung 40
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Giovita Garavaglia, Die Hl. Familie mit dem Lamm,
Pavia, Musei Civici


„Raffaello da Urbino inv.; Giovita dis. et inc. / All’ Egregio
Amatore di Belle Arti Il. Sig. Mcs. LUIGI MALASPINA
di Sannazzaro / Ciambellano di S.M.I.R.A. e cavaliere /
del nuovo ordine Imple delta Corona Ferrara etc. etc. /
L’originale esiste presso il sullodato cavaliere; Giovita Gara
vaglia D.D.D. / In Firenze presso Luigi Bardi e Comp.“

Giovita Garavaglia, Schüler des Stechers Faustino Anderloni in Pavia, gewann 1817 mit seinem Kupferstich nach Raffaels „Hl. Familie mit dem Lamm“ den Preis der Accademia Braidense in Mailand. Das Blatt entstand als Auftragsarbeit für den Marchese Luigi Malaspina di Sannazzaro (1754-1835). Der passionierte Sammler und Mäzen, insbesondere auf dem Gebiet der Druckgraphik, ließ hier - angeregt durch die großen Galeriewerke des 18. Jh.s - die Komposition Raffaels als eines der Glanzstücke seiner Gemäldesammlung in Pavia im Stich veröffentlichen. (Ausst. Kat. Rom 1983, S. 188, Kat. Nr. XII, 2; S. Zatti, 1993, S. 195; vgl. auch den Vorzustand, Abb. 41) Malaspina erwarb die aus Modena stammende Raffaelkopie aus dem Nachlaß des 1808 verstorbenen Rhetorikprofessors Luigi Cerretti in Pavia, der sie seinerseits zur Zeit des „Kunstraubs“ unter Napoleon erworben hatte.

Noch 1821 wird das Gemälde der Sammlung Malaspina in Pavia (Kat. Nr. 5) bei Pietro Zani (Enciclopedia metodica critico-ragionata delle Belle Arti, Teil II, Bd. VI, Parma 1821, S. 89) als Original Raffaels geführt. Doch bereits in den späteren Inventaren der Galleria Malaspina gilt es als Kopie und wird auch von Johann David Passavant 1839 unter Verweis auf den Stich Garavaglias unter den Kopien nach dem Gemälde im Prado aufgeführt.
Garavaglias Stich gibt die Komposition des Gemäldes der Slg. Malaspina, das einem oberitalienischen Meister der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts zugeschrieben wird, genau wieder: dies wird im Verhältnis der Figurengruppe zum umgebenden Landschaftsraum und in den Details (die antiken Ruinen, der Kopf des Esels u.a.) deutlich. In der lockeren Strichführung, die vor allem geeignet scheint, die atmosphärischen Werte seiner Bildvorlage in angemessener Dichte wiederzugeben, zeigt sich Garavaglia als Stecher in der Nachfolge Giuseppe Longhis. Er steht damit in fruchtbarem Gegensatz zu der strengen Exaktheit eines Raffael Morghen, dem er 1833 als Lehrer an der Florentiner Akademie folgte. 1828 stach er nach einer Zeichnung Samuele Jesis Raffaels „Madonna della Seggiola“ in den Uffizien; wegen seines frühen Todes im Jahre 1835 blieben seine Nachstiche nach Raffaels „Madonna di Foligno“ und dem „Selbstbildnis“ Raffaels unvollendet. (S. T.)

Abbildung 41
Abbildung 41
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Giovita Garavaglia, Die Hl. Familie mit dem Lamm,
Vorzustand, Pavia, Musei Civici


Lit.: J. D. Passavant, 1839, II, S. 91, Nr. 63 b – Donata Vicini, Appunti sulla Genesi della Pinacoteca Pavese: Luigi Malaspina di Sannazaro (1754-1835), Collezionista e Mecenate, in: Kat. Pavia Pinacoteca Malaspina, mit Beiträgen von A. Peroni und Donata Vicini, Pavia 1981, S. 7-22; Abb. S. 11. – Ausst. Kat. Rom 1985, S. 188, Kat. Nr. XII, 2. – J. Meyer zur Capellen, 1989, S. 109, Anm. 10 – Susanna Zatti, Note su Faustino Anderloni e Giovita Garavaglia, lncisori a Pavia nella prima metà del Ottocento, Sonderdruck aus: Bollettino della Società Pavese di Storia Patria, 1993, S. 185-195; S. 188, Anm. 14



Kat. Nr. C 4
Fernando Lasinio (1821 Florenz -1865 Florenz)
Die Hl. Familie mit dem Lamm (nach Raffael)

Umrißradierung, 138 x 172 mm
London, British Museum, Department of Prints and
Drawings, Windsor Raphael Collection

Abbildung 43
Abbildung 43
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Fernando Lasinio, Die Hl. Familie mit dem Lamm,
Radierung, London, British Museum,
Windsor Raphael Collection


Frontispiz zu: Giuseppe Vallardi, Notizie sopra un dipinto di Raffaele rappresentante la Sacra Famiglia in riposo, posseduto Jaffa nobile famiglia di Castelbarco, Mailand 1842

Der Florentiner Kupferstecher und Maler Fernando Lasinio, wohl ein Neffe des namhaften Reproduktionsstechers Carlo Lasinio (1759-1838; vgl. Ausst. Kat. Rom 1985, S. 871), stach die feinteilige Umrißradierung der Hl. Familie mit dem Lamm als Frontispiz zu der 1842 in Florenz erschienenen Veröffentlichung des Kunsthistorikers Giuseppe Vallardi.

Vallardi publizierte, unmittelbar nach Erscheinen der Raffaelmonographie von Johann David Passavant, unter Beigabe zahlreicher Gutachten namhafter Professoren der Florentiner Accademia delle Belle Arti das Gemälde der Hl. Familie mit dem Lamm in der Sammlung des Conte Carlo Castelbarco in Mailand als originales Werk Raffaels. Der Stich überliefert wichtige Details des Gemäldes. Die Anordnung von drei schmalen Bäumchen im Rücken Josephs und das hochaufragende Bäumchens am linken äußeren Bildrand, die kleinfigurige Gruppe der Hl. Familie auf der Flucht im Mittelgrund des Bildes, die mit akribischer Genauigkeit nebeneinander gesetzten Blumen und Grasbüschel im Vordergrund und die Proportion des Blattes ermöglichen die eindeutige Identifizierung des im Stich reproduzierten Gemäldes mit dem Bild aus der Sammlung des Prinzen Heinrich von Preußen, ehemals Schloß Reinhartshausen, das sich bis ins 18. Jahrhundert, in die Sammlung des Principe di Salerno in Neapel zurückverfolgen läßt (Kat. Nr. B 1). (S. T.)

Nicht in der Ausstellung

Abbildung 43a
Abbildung 43a
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Kopie nach Raffael, Die Hl. Familie mit dem Lamm,
ehem. Schloß Reinhartshausen

 

Lit.: Thieme-Becker, Bd. XXII, 1928, S. 404. – Ausst. Kat. Stuttgart 1958/59, Kat. 152, Abb. 71. – J. Meyer zur Capellen, 1989, S. 100 und Anm. 16



Kat. Nr. C 5
Vincenzo Rolla (Lebensdaten nicht bekannt)
Maria mit Christuskind und Lamm (nach Raffael)

Kupferstich, 285 x 220 mm
London, British Museum, Department of Prints and Drawings,
Windsor Raphael Collection

Abbildung 44
Abbildung 44
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Vincenzo Rolla, „Complacenza Materna“, Kupferstich,
London, British Museum, Windsor Raphael Collection


Raffaello Sanzio da Urbino dipinse / V. Rolla incise nello studio di C. Dellarocca / COMPIACENZA MATERNA / All’Illustrissimo Signor Conte / GIROLAMO PORTALUPI / Egregio Amatore di Belle Arti. / Milano presso li. Frat.li Bettalli. Contr. a del Cappello N. 4027. / Ernesto Spampani D.D.D.

Der Nachstich von Vincenzo Rolla konzentriert Raffaels Komposition der Hl. Familie mit dem Lamm durch Weglassung der Gestalt des hinter Maria stehenden Joseph zu einer Darstellung der „Complacenza Materna“, des „Mütterlichen Wohlgefallens“. Der Stich, auch in der Gestaltung der Landschaft und der Hinzufügung einer üppigen Baumgruppe am linken Bildrand gegenüber der ursprünglichen Komposition Raffaels völlig frei, folgte wahrscheinlich einem Gemälde, das sich im 19. Jahrhundert in der Mailänder Sammlung des Grafen Girolamo Portalupi befand. (S. T.)

Nicht in der Ausstellung

 

Lit.: J. D. Passavant, 1839, II, Nr. 63, S. 92 – J. Meyer zur Capellen, 1989, S. 109, Anm. 11 Nr. 5




Weitere in der Literatur erwähnte Nachstiche:

 

Jean Lenfant (1615 Abbeville -1674 Paris)
Die Hl. Familie mit dem Lamm (nach Raffael)
Kupferstich (?)
J. Lenfant sculps. et ex.

Jean Lenfant, Pastellmaler und Kupferstecher, Schüler von Claude Mellan, stach Reproduktionen nach italienischen Meistern der Hochrenaissance, den bolognesischen Barockklassizisten (Annibale Carracci, Guido Reni) und eigenen Entwürfen. Unter den Reproduktionen nach Werken Raffaels steht ein Kupferstich nach der „Madonna della Sedia“ in den Uffizien an erster Stelle.
Passavant erwähnte im zweiten Band seiner Raffaelmonographie 1839, den Stich Lenfants als Reproduktion nach dem Gemälde der Hl. Familie mit dem Lamm in der Florentiner Sammlung Gerini. Es bliebe allerdings zu klären, welches Exemplar der Hl. Familie mit dem Lamm der 1674 in Paris verstorbene Lenfant wirklich vor Augen gehabt hat, denn erst Gregoris Stich aus der Mitte des 18. Jahrhunderts überliefert sicher das in der Florentiner Sammlung befindliche Bild.

Lit.: J. D. Passavant, 11, 1839 Nr. 63, S. 91 – Charles Le Blanc, Manuel de l’amateur d’estampes, 1854/90, II, S. 532 – Thieme-Becker, Künstlerlexikon, Bd. XXIII, 1929, S. 50 – Dussler, 1971, S. 11 (?) – J. Meyer zur Capellen, 1979, S. 109, Anm. 11 Nr. 10

 

Antonio Morghen (1788 Rom - 1853 Rom)
Raffael Morghen (1758 Neapel - 1833 Florenz)
Die Hl. Familie mit dem Lamm (nach Raffael)
A. Morghen sculp. et R. Morghen dir.

Der Kupferstecher und Radierer Raffael Morghen war 1793 durch Großherzog Ferdinand III. von Toskana nach Florenz berufen worden, wo er eine Kupferstecherschule eröffnete. Sein Biograph und Schüler Niccolo Palmieri berichtete, Morghen habe seine Reproduktion von Raffaels „Madonna della Sedia“ in den Uffizien dem Marchese Manfredini gewidmet, der sich für seine Anstellung am Florentiner Hof verwendet habe. (Niccolo Palmieri, Opere d’Intaglio del Cav. Raffaello Morghen, Florenz 1824.) 1803 wurde er Lehrer der Florentiner Kunstakademie. Berühmt waren seine Reproduktionsstiche nach Altargemälden und Bildnissen der großen Maler der italienischen Hochrenaissance (Raffael, Leonardo, Correggio, Tizian), des Barock (van Dyck) und zeitgenössischer Künstler (Anton Raffael Mengs, Angelika Kauffmann).
Sein Sohn Antonio stach Raffaels Komposition der Hl. Familie mit dem Lamm nach Raffael wie schon zuvor Carlo Gregori und späterhin Antonio Lapi nach dem im 18. Jahrhundert berühmtesten Exemplar, dem Bild der Florentiner Sammlung Gerini (vgl. Kat. Nr. 2).

Lit.: J. D. Passavant, 11, 1839, S. 91, Nr. 63, – Thieme-Becker, Künstlerlexikon, Bd. XXV, 1931, S. 150 f. – L. Dussler, 1966, S. 43-45 – Ausst.-Kat. Paris 1983, Nr. 18, S. 114-117 – Ausst.-Kat. Coburg 1983/84, Nr. 14 – J. Meyer zur Capellen, 1989, S. 109, Anm. 11 Nr. 8

 

Angelo Emilio Lapi (1769 Livorno - 1852 Florenz)
Die Hl. Familie mit dem Lamm (nach Raffael)

Der Florentiner Zeichner, Kupferstecher und Medailleur Angelo Emilio Lapi, ein Schüler des Raffael Morghen, schuf zahlreiche Stiche nach Gemälden Raffaels und des Andrea del Sarto. Die Hl. Familie mit dem Lamm nach Raffael entstand, wie schon der Stich seines Lehrers Raffael Morghen, nach dem berühmten Exemplar der Florentiner Sammlung Gerini.

Lit.: J. D. Passavant, 11, 1839, S. 54 – Thieme-Becker, Künstlerlexikon, Bd. XXII, 1928, S. 368 f. – J. Meyer zur Capellen, 1989, S. 109, Anm. 11 Nr. 9

 

Raffael in Umbrien


1483
Am 6. April geboren in Urbino als Sohn von Magia Ciarla und Giovanni Santi, Hofmaler des Federico da Montefeltre, Herzog von Urbino.

1491
Am 8. Oktober stirbt Raffaels Mutter Magia Ciarla.
Vasari berichtet von Raffaels Lehrzeit bei Pietro Vannucci genannt „Il Perugino“ in Perugia, die er möglicherweise schon vor dem Tod der Mutter 1491 begonnen hat.

1494
Am 1. August stirbt Raffaels Vater Giovanni Santi (geb. 1435 ?).

1499
Am 5. Juni Gerichtsverhandlung in Urbino um Raffaels Erbe im Streit mit Bernardina Parte, der zweiten Frau seines Vaters.

1500
Am 10. Dezember Abschluß eines Vertrages mit „Magister Rafael Iohannis Santis de Urbino et Vangelista Andree de Plano Meleto pictores“ über eine Altartafel für die Familienkapelle des Andrea Baronci in S. Agostino in Città di Castello: Die Krönung des Hl. Nikolaus von Tolentino (Fragmente in Paris, Louvre; Neapel, Museo Capodimonte, Brescia, Pinacoteca Tosio Martinengo).

1501
Am 13. September Bezahlung der „Pala di S. Nicolo da Tolentino“.

1502
Nach Vasari Mitarbeit an den Kartons für die Fresken der Dombibliothek in Siena, die Kardinal Francesco Todeschini Piccolomini, der spätere Papst Paul II., im Juni 1502 unter der Leitung von Pinturicchio ausführen ließ.

1503
Kreuzigung Gavari (London, National Gallery, ehemals Sammlung Mond; Predellen: Lissabon, Museu de Arte Antiga; Raleigh, The North Carolina Museum of Art.) von Dominikus Thomas Gavari für den Altar seiner Familienkapelle in S. Domenico in Città di Castello in Auftrag gegeben. Auf dem Altar befand sich die Inschrift: HOC OPUS FIERI FECIT DNICUS THOME DE GAVARIS MDIII. Am Fuß des Kreuzes signiert: RAPHAEL VRBINAS P.

Die Krönung Mariens (Rom, Pinacoteca Vaticana) wird von Maddalena Oddi für den Altar der Familienkapelle in S. Francesco in Perugia in Auftrag gegeben, vermutlich während der zeitweiligen Rückkehr der Oddi aus dem Exil Februar bis September 1503.

Madonna Conestabile (St. Petersburg, Eremitage)
Sie gehörte Alfano di Diamante in Perugia, Onkel des Domenico Alfani; entstanden wohl zwischen 1500 und 1504.

1503/04
Hl. Michael (Paris, Louvre)
Hl. Georg (Paris, Louvre)
Als Auftraggeber vermutet man Herzog Guidobaldo da Montefeltre oder dessen Schwester, Giovanna Feltria della Rovere, Mutter des Thronerben Francesco Maria della Rovere, Witwe des Präfekten von Rom und Mäzenin des jungen Raffael. Als möglichen Anlaß betrachtet man die Verleihung des Ordens des Hl. Michael 1503 oder die Verleihung des Hosenbandordens an ihren Bruder und ihren Sohn am 10. Mai 1504.

1504
Vermählung Mariens (Mailand, Pinacoteca di Brera), über dem Tempeleingang sign. u. dat: RAPHAEL VRBINAS MDIIII. Altarbild für die Cappella Albizzini in S. Francesco in Città di Castello.

 

Raffael in Florenz


Am 1. Oktober 1504 unterzeichnet Giovanna Feltria della Rovere in Urbino ein Empfehlungs- schreiben für Raffael an den Gonfaloniere von Florenz, Piero Soderini, von dem Raffael sich öffentliche Aufträge in Florenz erhofft.

Einfluß der Florentiner Kartons für die Schlachtenbilder im Ratssaal des Palazzo Vecchio von Leonardo (Anghiarischlacht) und Michelangelo (Cascinaschlacht).

Hl. Familie mit dem Lamm (Privatbesitz), sign. u. dat.: RAPHAEL VRBINAS AD MDIV

Bildnisse des Agnolo und der Maddalena Doni (Florenz, Galleria Palatina)
Vermutlich aus Anlaß der Hochzeit des wohlhabenden Händlers und Sammlers Agnolo Doni mit Maddalena, Tochter des Giovanni Strozzi, im Jahre 1504 in Auftrag gegeben.

1505/1506
Pala Ansidei (London, National Gallery)
Auf dem Saum des Mantels der Maria datiert: MDV; auch als MDVI oder MD VII gelesen. Nach Vasari wurde die Tafel für die Cappella Ansidei in S. Fiorenzo dei Serviti in Perugia gemalt.

Altar der Familie Colonna (Christus am Ölberg, New York, Metropolitan Museum; Beweinung Christi, Boston, Isabella Stewart Gardner Museum; Kreuztragung, London, National Gallery)

Hl. Familie Canigiani (München, Alte Pinakothek); sign. auf dem Halsausschnitt des Gewandes Mariens: RAPHAEL VRBINAS.
Vasari sah die Tafel bei den Erben des Domenico Canigiani in Florenz.

Madonna del Granduca (Florenz, Palazzo Pitti)
1799 von Großherzog Ferdinand III. von Toskana erworben.

1506
Madonna mit dem Stieglitz (Florenz, Galleria degli Uffizi), ausgeführt wohl um 1505/06 aus Anlaß der Vermählung des Giovanni Nasi mit Sandra di Matteo di Giovanni aus der wohlhabenden Florentiner Familie Canigiani, am 23. Januar 1506.

Madonna im Grünen (Wien, Kunsthistorisches Museum), dat. auf dem Kleidersaum Mariens: MDVI.
Vasari sah im Hause des Taddeo Taddei in Florenz zwei Madonnenbilder von Raffaels Hand, eines im Stile des Pietro Perugino, das andere bereits in Raffaels reiferem Stil.

1507
Hl. Familie mit dem Lamm, dat. und sign. am Ausschnitt des Kleides Mariens: RAPHAEL VRBINAS MDVII IV (Madrid, Prado).

Grablegung Christi (Rom, Galleria Borghese; drei Predellen mit den theologischen Tugenden: Rom, Pinacoteca Vaticana), sign. und dat.: RAPHAEL VRBINAS MDVII. In Auftrag gegeben von Atalanta Baglioni zum Gedenken an die Ermordung ihres Sohnes Grifone. 1500 für die Familienkapelle in S. Francesco al Prato in Perugia. Papst Paul III. schenkte die Tafel seinem Neffen Scipione Borghese.

1507/08
Kleine Madonna Cowper (Washington, National Gallery of Art), vielleicht mit jener kleinen Madonna für Giovanna Feltria della Rovere zu identifizieren, die Raffael in einem Brief vom 21. April 1508 erwähnt.

Madonna mit dem Baldachin (Florenz, Galleria del Palazzo Pitti).
Nach Vasari von den Erben des Rinieri di Bernardo Dei wohl im Juli 1507 für die Kapelle der Familie Dei in S. Spirito in Florenz in Auftrag gegeben, doch - vermutlich wegen Raffaels Übersiedlung nach Rom - in unvollendetem Zustand zurückgelassen. Von Baldassare Turrini, dem Testamentsvollzieher Raffaels und Vertrauten Papst Leos X., für seine Kapelle im Dom von Pescia erworben und dort möglicherweise bereits vor 1520 aufgestellt.

1508
Große Madonna Cowper (Washington, National Gallery of Art), sign. u. dat.: M.D. VIII, R. V. Pin.
Aus der Florentiner Sammlung Niccolini 1780 für die Sammlung Cowper erworben, seit 1937 Sammlung Mellon.

Maria mit dem Christusknaben und Johannes d. T., gen. „La belle Jardinière“ (Paris, Louvre), sign. auf dem Saum des Kleides: RAPHAELLO VRB. und dat. M.D. VIII.
Nach Vasari für den Sieneser Adeligen Filippo Sergardi, einen hohen Kleriker am Hof Papst Leos X., entstanden und von Franz I. von Frankreich in Siena erworben.

 

Raffael in Rom


1508
Berufung Raffaels nach Rom durch Papst Julius II. Beginn der Ausstattung der päpstlichen Gemächer („Stanze“) im Vatikan mit der „Stanza della Segnatura“.

1509
Am 4. Oktober Ernennung zum „Schreiber der päpstlichen Breven“.

1511
Ausmalung der „Stanza d’Eliodoro“ (bis 1514) im Vatikan.

1511/1512
Madonna di Foligno (Rom, Pinacoteca Vaticana)
Von dem Historiker Sigismondo Conti, Kämmerer und Sekretär des Papstes, Präfekt der Fabbrica von S. Peter unter Papst Julius II., in Auftrag gegeben, der als Stifter knieend neben seinem Schutzpatron, dem Hl. Hieronymus, dargestellt ist. Der am 18. Februar 1512 verstorbene Auftraggeber wurde in S. Maria in Aracoeli in Rom bestattet, wo Raffaels Madonnenbild bis 1565 den Hauptaltar schmückte. Die Nichte Anna Conte verbrachte das Gemälde in die Klosterkirche der Contesse di Foligno.

1512
Beginn der Ausmalung der Villa Farnesina im Auftrag des sienesischen Bankiers Agostino Chigi (bis 1514).

Beginn der Freskierung der Cappella Chigi in S. Maria della Pace in Rom im Auftrag des Agostino Chigi.

Bildnis Papst Julius II. (Florenz, Uffizien)

Madonna mit den Hl. Barbara und Sixtus, „Sixtinisehe Madonna“ (Dresden, Gemäldegalerie)
Im Auftrag der Benediktiner von S. Sisto in Piacenza für den Hochaltar der Kirche mit den Reliquien der Hl. Barbara und Sixtus in Auftrag gegeben. Das Porträt Papst Julius II. della Rovere (gest. 1513) ist vermutlich in Erinnerung an Papst Sixtus II., den ersten Amtsvorgänger aus dem Hause della Rovere, in der Gestalt des Hl. Sixtus verewigt.

1513
Regierungsantritt Papst Leos X. aus dem Hause Medici.

Madonna della Sedia (Florenz, Uffizien)
Gelangte 1631 mit dem Erbe der della Rovere nach Florenz.

1514
Nach dem Tod Donato Bramantes Ernennung zum Architekten der Peterskirche und zum Bevollmächtigten für die Altertümer der Stadt Rom.

Hl. Cäcilie (Bologna, Pinacoteca Comunale)
Für die Kapelle der Hl. Cäcilie in S. Giovanni in Monte Uliveto in Bologna von Elea Duglioni dall’Olio aus Bologna in Auftrag gegeben, wohl zwischen 1514-16 ausgeführt.

Bildnis des Bindo Altoviti (Washington, National Gallery; Kress Collection).

1515
Beginn der Arbeit an den Kartons für die Bildteppiche der Sixtinischen Kapelle im Vatikan (bis 1518).

Kreuztragung Christi (Madrid, Museo del Prado); sign.: RAPHAEL VRBINAS.
Für das Kloster der Olivetaner von S. Maria dello Spasimo in Palermo wohl um 1515 in Auftrag gegeben.

Transfiguration (Verklärung Christi; Rom, Pinacoteca Vaticana)
Von Kardinal Giulio de’ Medici für seinen Bischofssitz, die Kathedrale in Narbonne, 1516 in Auftrag gegeben. Vermutlich im Juli 1518 begonnen, schmückte die Tafel nach Raffaels Tod seinen Katafalk im Pantheon.

1517
Ausgestaltung der Loggien am Damasushof im Vatikan.

Bildnis des Papstes Leo X. mit den Kardinälen Giulio de’ Medici und Lorenzo de’ Rossi, (Florenz, Galleria Palatina). Im September 1518 wurde das Gemälde nach Florenz gesandt.

Vision des Ezechiel (Florenz, Galleria Palatina)
Vasari sah die kleinformatige Tafel im Hause des Grafen Vincenzo Ercolani in Bologna.

1517

Ausmalung der „Loggia di Psyche“ im Gartensaal der Villa Farnesina in Rom mit Darstellungen aus Apuleius’ „Goldenem Esel“ (Geschichte von Amor und Psyche) vermutlich im Hinblick auf die Hochzeit des Agostino Chigi mit Francesca Ordeaschi. Abschluß der Arbeiten wohl zu Jahresbeginn 1519.

1518
Hl. Michael im Kampf mit Satan (Paris, Louvre), am Gewandsaum des Michael sign. u. dat.: RAPHAEL VRBINAS PINGEBAT MD XVIII.
Wie zahlreiche Briefe des Jahres 1518 bestätigen, im Auftrag des Papstes durch Lorenzo de’ Medici an König Franz I. von Frankreich geschenkt, wohl vor dem Hintergrund des Konkordats von Bologna.

Hl. Familie Franz I. (Paris, Louvre), sign. u. dat. auf dem Mantelsaum Mariens: RAPHAEL VRBINAS/S PINGEBAT MD XVIII. Darüber: ROMAE.
Von Papst Leo X. in Auftrag gegeben und 1518 als Geschenk an Königin Claude de France nach Fontainebleau verbracht.

1519/20
Visitatio. (Begegnung Mariens mit Elisabeth; Madrid, Museo del Prado), unten mittig sign.: RAPHAEL VRBINAS F: MARINVS BRANCONIVS F.F.
Vermutlich von Marino Branconio unter Vermittlung seines Sohnes Giovanni, Kammerherrn am päpstlichen Hof, für S. Silvestro in L’Aquila in Auftrag gegeben. Seit 1655 im Escorial.

Hl. Familie mit der Eiche (Madrid, Museo del Prado); unter der Wiege sign.: RAPHAEL PINXIT.

Tod am Karfreitag, dem 6. April 1520. Beisetzung im Pantheon in Rom. (S. T.)


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